Geschichtliches zu Espelkamp

Ersterwähnung des Ortes: Espelkamp

Urkundensignatur: LAV NRW W Stift Levern, Urkunden Nr. 16
Transkription gedruckt in: Westfälisches Urkundenbuch VI S. 52 Nr. 192

Bischof Konrad von Minden bekundet 1229 den Verkauf des Zehnten in Twiehausen an das Kloster Levern durch Berno von Lavelsloh.

Regest:

Bischof Konrad von Minden bestätigt den durch Berno von Lavesloh getätigten Verkauf des Zehnten in Twiehusen für vier Mark an das Kloster Levern, den der Ritter Heinrich und Wichmann, Bruder des Propstes, von Berno zu Lehen erhalten. Berno und Heidolf von Lavesloh versprechen in die Hände des H. de Manen, des R. Lupus, des A. von Offelten und des M. von Beckum, Ritter der Bischofs, dass Berno den Zehnten seinem Lehnsherrn T. von Espelkamp resignieren wird.

 

Urkundlich wurde der Name "Espelkamp" somit bereits 1229 von Bischof Konrad von Minden genannt in Zusammenhang mit dem Ritter Thethard von Espelkamp. Als Ministerialen (Ritter) der Tecklenburger Grafen werden die Herren von Espelkamp aufgeführt, deren Rittersitz auf der in Espelkamp liegenden Ratzenburg zu suchen ist. Ratzenburg bedeutet "Rad'senburg", d.h. Rahdische Burg der Herren zu Espelkamp.

Links das Wappen des Rittergeschlechts de Aspelcampe. Rechts der Gedenkstein zur urkundlichen Ersterwähnung, welcher im Juli 1988 zunächst am Sportplatz aufgestellt wurde. Seit 2009 steht er auf dem heutigen Dorfplatz.

 

Gut 100 Jahre später, 1353 wird erstmals der Name Großendorf, bestehend aus Rahden und Espelkamp, genannt. Von den folgenden Jahrhunderten gibt es wenig zu berichten. Fest steht, dass das Gebiet dünn besiedelt war. Insbesondere die Südhälfte Espelkamps bestand aus Wald. Die Landwirtschaft ernährte die Menschen nur schlecht und recht.

Erst nach Ende des 30-jährigen Krieges (1618-1648) haben Landwirtschaft und das Handwerk an Bedeutung gewonnen. Man baute Flachs an. Auch die Schafzucht und die Verarbeitung der Wollte spielte eine Rolle. Die für die Bearbeitung erforderlichen Geräte wie Spinnräder, Webstühle, Wurfspulen, Teller, Löffel, Holzschuhe oder Wagen wurden von entsprechenden Handwerkern gefertigt und von den "Kiepenkerlen" auf den Märkten oder auch von Haus zu Haus verkauft. Zum Inventar der meisten bäuerlichen Besitzungen gehörten Webstühle und Spinnräder. Es gab aber auch viele Hollandgänger. Da die Menschen bis weit ins 19. Jahrhundert hier mehr schlecht als recht lebten, verdienten sich viele Männer ein Zubrot und gingen mit ihrer Sense ins wirtschaftlich prosperierende Nachbarland. 

1910 erfolgte die Abtrennung der Bauernschaft Espelkamp, welche zusammen mit Rahden die politische Gemeinde Großendorf bildete. Die nun selbstständige Landgemeinde Espelkamp umfasste 1.860 Hektar Fläche und hat 167 Häuser mit 1.060 Einwohnern. Die Bevölkerungsanzahl blieb bis zum Beginn des 2. Weltkrieges nahezu unverändert. 

Im Jahr 1938 begann der Bau der Heeresmunitionsanstalt (Muna) im bewaldeten Süden der Gemeinde. Die offizielle Bezeichnung lautete Heeres-Munitionsanstalt Lübbecke. Auf rund 250 Hektar Waldfläche entstanden 133 massive einstöckige Gebäude, ein rund 20 Kilometer langes Straßennetz, Wasserwerk, Ringleitung, Kläranlage, Hochspannungsanschluss, Trafostation und ein Anschlussgleis an die Eisenbahnstrecke Bünde-Bassum.

 Links: Munazaun

Am 4. April 1945 wurde das Gebiet durch alliierte Truppen eingenommen und die Munitionsanstalt fiel weitgehend unzerstört in deren Hände. In den Folgejahren entwickelte sich auf dem ehemaligen Gebiet der Muna der Ort Espelkamp-Mittwald im Amtsverband Rahden.

Am 22. Oktober 1959 erhielt Espelkamp-Mittwald zusammen mit der Altgemeinde (Dorf Alt-Espelkamp) das Stadtrecht und wurde fortan nur noch „Stadt Espelkamp“ genannt. 

Am 1. Januar 1966 wurde die Stadt Espelkamp amtsfrei und gehörte nicht mehr zum Amt Rahden. Nachdem Espelkamp 1966 amtsfrei geworden war, wurde es in der Kreisreform zum 1. Januar 1973 gemäß dem Bielefeld-Gesetz deutlich vergrößert. Die Stadt Espelkamp wurde mit einigen bis zum 31. Dezember 1972 selbstständigen Gemeinden und Dorfschaften des Kreises Lübbecke zur „neuen“ Stadt Espelkamp zusammengelegt. Das bis dahin so genannte Dorf Espelkamp wird heute Alt-Espelkamp oder auch „Altgemeinde“ genannt und bildet mit Espelkamp-Zentrum eine der acht Ortschaften der Stadt Espelkamp.

Weiteres zur Geschichte unserer Ortschaft folgt demächst...

Chroniktafel auf dem Dorfplatz