Kategorie: Chronikraum

Hüter heimischer Historie

Alt-Espelkamp-Tag 2020 fällt aus

Die Chronikgruppe Alt-Espelkamp muss mit bedauern mitteilen, dass der geplante Alt-Espelkamp-Tag am Samstag, 14. November, wegen der Corona Pandemie entfallen muss. Das Motto an diesem Tag sollte heißen: „Vandage kürt wie plattdütsk“. Die Lokalhistoriker Dieter Spreen, Margret Möller und Herbert Kummer wollten Geschichten erzählen, es sollten Filmausschnitte von den Aufführungen der Eskari-Theatergruppe gezeigt werden und ein Sketch, aufgeführt von heutigen Eskari-Akteuren, war vorgesehen. Doch nun musste dieser Tag gestrichen werden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Planungen für das kommende Jahr laufen auch weiter. Dann geht es um den Postbetrieb im Zeitalter der Boten und Postkutschen, Zollstationen und die Espelkamper Postgeschichte.

Trotz der aktuellen Situation, die Sammelleidenschaft der Alt-Espelkamper Chronisten ist noch lange nicht an ihre Grenzen gestoßen. „Wenn ihr etwas habt, kommt bitte vorbei und gebt es uns. Ihr bekommt auch alles wieder zurück“, lautet ihr Appell an die Alt-Espelkamper und ehemaligen Bewohner des Dorfes. 

Chroniktafel

Königserlass

Depesche erreicht das Dorf vor 111 Jahren!

Des Königs Majestät haben durch Allerhöchsten Erlaß vom 28. Juli 1909 zu genehmigen geruht, daß die Bauernschaft Espelkamp im Kreise Lübbecke von der Landgemeinde Großendorf abgetrennt wird und daß aus ihr eine selbständige Landgemeinde namens Espelkamp gebildet wird.

Die Selbständigkeit der Gemeinde Espelkamp trat mit Wirkung vom 1. April 1910 in Kraft. Und somit im nächsten Jahr vor 111 Jahren!

Kaiser Wilhelm II.

Vierter April

Am 4. April vor 75 Jahren wurde die Landgemeinde Espelkamp durch die Alliierten-Mächte befreit und die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten hatte für unseren Raum ein Ende gefunden. Diesem, für die Espelkamper Bevölkerung, besonderen Tag folgte am 8. Mai mit dem VE-Day (Victory in Europe Day) – für die Deutschen als „Stunde Null“ bekannt – das Ende des 2. Weltkriegs in Europa.

Das eingezäunte Munagelände in Espelkamp. (Foto-Quelle: Stadtarchiv)

Unsere kleine Landgemeinde beherbergte im Mittwald, östlich der Landesstraße zwischen Lübbecke und Rahden gelegen, eine seit 1938 in Teilabschnitten gebaute Heeresmunitionsanstalt (im Volksmund „Muna“ genannt). Dort wurde Munition, auch Kampfstoffmunition, produziert und abgefüllt. Durch die alliierte Luftaufklärung bereits im Frühjahr erkannt, blieb sie beim Einmarsch der Truppen aber zunächst unbeachtet.

Kriegstagebuch des 3. RTR am 4. April 1945. (Quelle: Public Record Office/ The National Archives, London)

In den Nachmittagsstunden des 4. April wurde unsere Gemeinde durch einen Allierten Gefechtsverband mit Panzern der 3rd Royal Tank Regiment und Infanteristen der 4th King’s Shropshire Light Infantry Regiment (8. Armeekorps der 2. Britischen Armee) befreit.

Nachdem in den Mittagsstunden bereits Gefechtslärm aus Richtung Levern zu hören war, rollten die britischen gepanzerten Kräfte aus Richtung Varlheide kommend gegen 16 Uhr die Osnabrücker Straße hinauf. Rahden wurde damals von einem Luftwaffenersatzbataillon – es waren mit Handfeuerwaffen, Maschinengewehren und einigen Panzerfäusten bewaffnete teils sehr junge Infanteristen, sowie einige versprengte Wehrmachtssoldaten, und ein paar wenigen gepanzerten Fahrzeugen, u.a. vier Panzerkampfwagen mit ihren Besatzungen eines der Panzerbattaillone der 1. SS-Panzerdivision „Leibstandarte Adolf Hitler“ – verteidigt. Um 16.20 Uhr wird, laut dem Kriegstagebuch des 3. RTR, Geschützfeuer gegen die anrückenden britischen Kräfte aus Richtung Rahden gemeldet (Soldaten hatten sich dort auf dem Gut Hohenfelde/Bückendorf eingegraben). Bereits im freien Gelände wurden die britischen Kampfpanzer in der Sudriede und Im Fang durch Infanteriefeuer aus Stellungen in einzelnen Gebäuden bekämpft. Diese Gebäude wurden sofort von einzelnen vorpreschenden Panzern unter Feuer genommen. Die Anwesen Kolbus, Bödecker, Kropp, Kaufmann und Tirren-Brettholle standen in Flammen und sind dabei teilweise zerstört worden. Im Fang, in der Nähe des Hofes Rose, ereilte einen der deutschen PzKpfw V „Panther“ sein Schicksal. Er wurde getroffen und brannte aus (Noch lange Zeit nach Kriegsende stand das Wrack an der gleichen Stelle). Die deutschen Kräfte wurden gefangen genommen oder setzten sich in Richtung Bohne und dem rückwärtigen Bereich ab. Anschließend klärten weitere alliierte Panzer mit aufgesessener Infanterie im Zuge der Lübbecker Straße in der südlichen Ortshälfte von Rahden auf und der Kampf zog sich, den weichenden deutschen Soldaten folgend, nach Rahden hinein. Ein Teil des Gefechtsverbandes 3. RTR/4. KSLI konnte Rahden ohne Bedrohung seiner linken Flanke südlich durch die Gemeinde Espelkamp umgehen und stoß in Richtung Tonnenheide weiter vor. Um 19.10 Uhr wurden laut KTB britische Aufklärungskräfte nach Espelkamp im Süden in Marsch gesetzt um den dortigen Mittwald zu sondieren, welche bald darauf aber wieder zurückkehrten. Der Volkssturm, der auch in Espelkamp mit Panzersperren eingesetzt werden sollte, kam überhaupt nicht zum Zuge. Die Männer blieben einfach zu Hause als man sie rief, was sicherlich der beste und klügste Gedanke war. Damit waren die Kampfhandlungen in Rahden und unserer Landgemeinde Espelkamp, die nur im nördlichen Bereich direkt betroffen war, am Abend des 4. April beendet. In den folgenden Tagen wurde auch die Muna besetzt. Aus ihr entstand in den Nachkriegsjahren, zunächst als Espelkamp-Mittwald bezeichnet, die neue Stadt Espelkamp. Die alte Landgemeinde Espelkamp hieß fortan Espelkamp-Altgemeinde (Alt-Espelkamp).

Bei den Kämpfen in der Sudriede und Im Fang wurde dieser PzKpfw V „Panther“ abgeschossen, er brannte aus. (Quelle: Repro Stadtarchiv Espelkamp)

In den fünf Jahren des Zweiten Weltkrieges haben wir auch zahlreiche Gemeinde- und Familienmitglieder verloren. Ihnen soll an dieser Stelle erinnert werden. So heißt es auf der Gedenkplatte am Kriegerdenkmal in der Altgemeinde: „Wanderer! Wenn du hier verweilst, falte still die Hände. Denke eh du weiter eilst, einmal an dein Ende. Suchst du eigenen Gewinn, wirst du rastlos Wandern. Diese gaben alles hin. Für das Wohl der Andern.

Einer der ersten Soldaten der Gemeinde Espelkamp ist Gefallen – Wilhelm Schwarze, Nr. 146 Esp. (Quelle: Rahdener Wochenblatt vom 12.3.1940)

Die heutige lebende Generation darf sich Glücklich schätzen, in einer der längsten Friedensperiode der deutschen Geschichte zu leben, und damit den Krieg nur aus Geschichtsbüchern zu kennen. Dennoch sollte man sich die damaligen Ereignisse in der eigenen Heimat und die Gräueltaten der Nationalsozialisten – insbesondere an Jahrestagen wie diesen – ins Gedächtnis rufen und an die eigene Familie erinnern, die diese Jahre, Tage und Stunden miterleben mussten.

Hier noch der aktuelle Zeitungsbericht im Westfalen-Blatt am 04.04.2020 über die Geschehnisse vor 75 Jahren, geschrieben von Manfred Steinmann (Geschichtskreis Espelkamp).

Theaterstück

Theaterstück „Die Krögers – eine preußische Familiengeschichte“

Eine preußische Geschichte, die nicht aus den Geschichtsbüchern stammt, aber genauso passiert sein könnte. Im Jahr 1755, auf einem Bauernhof in Rahden. Das Leben ändert sich für Grete, Heinrich und Fritz, und nicht für alle geht es gut aus.

Das eigens für die diesjährige LandArt-Veranstaltungsreihe „Preußenwoche“ im Mühlenkreis entwickelte Theaterprojekt erzählt die Geschichte einer Rahdener Bauernfamilie des 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Lebensläufe der drei Kinder: die Möglichkeiten, die sie haben, die Chancen, die ihnen verwehrt bleiben, und die Schicksalsschläge, mit denen sie konfrontiert werden. Drei ganz gewöhnliche Lebensläufe, von denen es viele gab, aber die uns heute teilweise fremd und merkwürdig erscheinen – auch wenn die eigenen Familiengeschichten vielleicht ähnlich aussahen.

Das Theaterstück ist im Rahmen eines „Storytelling-Projekts“ in Kooperation mit dem Kreis Minden-Lübbecke entstanden. Fünf Schauspieler des „Cammer-Theater“ schlüpfen in verschiedene Rollen und versuchen, die Zeit vor zweieinhalb Jahrhunderten erlebbar zu machen. Ein anspruchsvolles Stück mit regionalem Bezug inmitten der historischen Gebäude. Am Sonntag, 12. Mai 2019 im Museumshof Rahden. (Uraufführung) Beginn um 13 Uhr, dauer ca. 55 Minuten.

Vortrag Heuerlingswesen

„Wenn der Bauer pfeift, … – Über das Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland“

Vier Jahrhunderte Heuerlingswesen, seit Mitte des 20. Jahrhunderts verschwunden: Man kennt die früheren Heuerlingshäuser entweder verfallen oder sehr gut restauriert. Und was weiß man darüber hinaus? In dem Vortrag geht es um die Entstehung, Entwicklung und Verbreitung des Heuerlingswesen. Es werden vorherrschende gesellschaftliche Strukturen und Folgeerscheinung wie großes Elend und „Nebenbeschäftigungen“ (z.B. Textilherstellung, Hollandgängerei und v.a.m.) aufgezeigt. Anhand von vielen Beispielen und Geschichten soll diese Zeit beleuchtet werden.

Die Veranstaltung der Stadtführer Espelkamp findet am Donnerstag, den 21. März 2019, ab 19:30 Uhr im Chronikraum des DGH statt. Die Teilnehmerzahl ist auf max. 50 Personen begrenzt. Daher ist eine vorherige Anmeldung im Kulturbüro Espelkamp erforderlich. Der Eintritt beträgt 3,- Euro pro Person.

Vortrag 1. WK

Der Erste Weltkrieg endete vor 100 Jahren

Dorfgemeinschaft lädt ein: „Der Landkreis Lübbecke und der Erste Weltkrieg“

Ein Vortrag zum Thema findet am Freitag, 12. Oktober 2018, ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Alt-Espelkamp, Schulstraße 2, statt.

In diesem Jahr jährt sich zum 100. Mal das Ende des Ersten Weltkrieges. Angesichts der aktuellen Weltlage möchte die Dorfgemeinschaft »Aktives Alt-Espelkamp« einen Blick auf das Geschehen vor hundert Jahren werfen. An diesem Abend berichtet der Referent Dr. Heinz-Ulrich Kammeier über die Verhältnisse in den Kriegsjahren im Landkreis Lübbecke. Der Referent geht darauf ein, was die Menschen zu jener Zeit bewegte, wie sich der Alltag in den Kriegsjahren an der sogenannten „Heimatfront“ gestaltete. Namenstafeln der Kriegsteilnehmer zeugen im Chronikraum vom Einschnitt in das Dorfleben. Denn allein aus der Altgemeinde sind in den Jahren 1914 bis 1918 35 Einwohner gefallen sowie sechs als vermisst gemeldet. Weitere 105 Einwohner standen an der Front.

Begleitet wird der Vortrag von einer kleinen Ausstellung. Wer Daheim noch Unterlagen, wie Soldatenportraits, Feldbriefe, Tagebücher von der Front oder Fotos aus diesen Jahren besitzt und diese für einen Abend zur Verfügung stellen möchte, kann diese Unterlagen gerne zum Vortrag mitbringen.

Es wird ein Unkostenbeitrag von drei Euro pro Person erhoben. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 50 begrenzt. Daher ist eine Anmeldung bei der Vorsitzenden Margret Möller unter Telefon (05772) 77 29 erforderlich.